Vorbild für sichere Infrastrukturen – die estnische X-Road
Digitaler Staat
Insight
03/06/26

Vorbild für sichere Infrastrukturen – die estnische X-Road

Was können wir von Estland lernen? Der kleine baltische Staat ist ganz groß, wenn es um die Themen Digitalisierung und Datensicherheit geht. Estland ist nicht nur als erster Staat zu 100 Prozent digital verwaltet, sondern hat auch ein Datensicherheitssystem entwickelt, das mittlerweile von anderen Staaten übernommen wurde: die X-Road. Auch in Deutschland gibt es inzwischen Mitfahrer auf der X-Road. Dazu aber später mehr.
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Pragmatisches Vorgehen

Wie bei allen estnischen Entwicklungen standen auch hier Pragmatismus und User-Zentrierung am Anfang des Projekts. Der noch junge Staat hatte nicht genügend Kapazitäten und Finanzen für den Auf- und Ausbau eines Kabelnetzwerkes quer durchs Land.  Die Lösung: eine internetbasierte Datenstraße. Die Daten werden nur an einer einzigen Stelle, also Once Only abgelegt. Werden die Daten für einen Vorgang benötigt und abgefragt, wandern sie via Internet zum konkreten Vorgang, ohne jedoch dort noch einmal gespeichert oder kopiert zu werden. Die digitale Datenstraße ist auch für private Unternehmen zugänglich. Zu den ersten wichtigen X-Road- Partnern gehören die beiden größten estnischen Banken.

Hochverschlüsselt

Warum ist die Lösung so sicher? Basis der X-Road sind individuelle Verschlüsselungen. Jeder, der die X-Road nutzt, besitzt eine eindeutige e-ID. Über Security-Server tauschen die am jeweiligen Vorgang Beteiligten ihre Daten aus, ohne auf Server von Drittanbietern zurückzugreifen. Die User der X-Road generieren den gewünschten Datensatz also jedes Mal individuell neu. Dadurch wird sichergestellt, dass jede Behörde oder jedes involvierte Unternehmen nur einen bestimmten Ausschnitt der Datensätze kennt und nutzen kann. 

Transparenz für die Dateninhaber

Neben der hohen Sicherheit bietet die X-Road noch weitere Vorteile. Die Bürger:innen können jederzeit nachvollziehen, welche ihrer Daten wann und von wem angefordert wurden. Das Netzwerk ist also gläsern für die Daten-Owner. Fehler können schneller bemerkt, gemeldet und korrigiert werden. 

Ein Erfolgsmodell

Die X-Road-Landkarte ist längst nicht mehr auf Estland beschränkt. 2017 gründeten Estland und Finnland zusammen das Nordic Institute for Interoperability Solutions, das für den weiteren Ausbau und die weltweite Verbreitung aktiv ist. So nutzen beispielsweise nun auch die Färöer-Inseln, El Salvador, Aserbaidschan, Australien, Schottland, Chile und Südafrika die digitale Lösung. Auch in Deutschland hat die X-Road Einzug gehalten. Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen startete 2020 mit einem Pilotprojekt für Videosprechstunden und digitale Rezepte.

Mut, Neues zu wagen?

Wir finden, die X-Road ist ein tolles Beispiel dafür, wie erfolgreich die Kombination aus Nutzerzentrierung, Orientierung an vorhandenen Gegebenheiten und Mut zu neuen Wegen ist. Wie kann eine solche Kombination bei euch aussehen? Lasst uns darüber sprechen.