Beim Übersetzen von Standardsprache in Leichte Sprache – egal, welchem Regelwerk man folgt – gibt es drei zentrale Schritte:
- Herausfiltern der zentralen Infromationen aus dem Text in Standardsprache
- Übersetzen des Textes nach dem gewählten Regelwerk
- Prüfen des Textes mit der Prüfgruppe
Je nach Vorlagentext ist das ein mehr oder weniger (arbeits-)zeitintensiver Prozess. Das Ergebnis: Ein Text, der für die Zielgruppe nachgewiesen verständlich ist, nur um dann… vielleicht nie gefunden zu werden. Warum? Weil die Barrieren, die unserem Text vorgeschaltet sind, nicht ausgeräumt wurden. Denn Informationen müssen nicht nur verständlich formuliert sein – sie müssen überhaupt erst erreichbar sein.
Die Barrieren vor der Barriere
Bei genaueren Hinschauen fällt auf: Leichte Sprache setzt eigentlich zu spät an. Denn bevor Leser:innen beim Text ankommen, müssen sie auf dem Weg schon eine Reihe von Hürden überwunden haben. Wenn wir uns diesen Weg für einen Beitrag auf einer Website anschauen dann sind es mindestens: Der Weg in den Browser, die Nutzung eines geeigneten Suchbegriffs. Vielleicht kommt noch die Nutzung einer komplexen Navigation hinzu. Im Zweifel alles eher barrierereich als arm. Wer also über Barrierefreiheit spricht, sollte daher nicht erst beim Text beginnen, sondern bei alln Barrieren davor.
Eine Information, egal wie sie formuliert ist, ist nur so barrierefrei wie der Weg dahin. Es ist die gesamte Journey von Nutzer-Intention bis Information, die wir barrierefrei gestalten müssen. Doch eben jeder Step der Journey kann ein Stolperstein werden. Deswegen ist leichte Sprache wichtig. Aber eben nicht genug. Leichte Sprache ist kein Ende in sich, sondern das Ende einer Barrierefreien Journey.
Barrierefreiheit in der Nutzungsrealität
Es zeigt sich wie so häufig auch hier: Um zu wissen, ob eine Zielgruppe mit einem Produkt umgehen kann, muss mit eben jener geredet, für jene entwickelt und mit jener getestet werden. Und in letzterem Case das reale Produkt. Denn ein Text auf einer Website wird anders wahrgenommen und mit ihm wird anders interagiert, als mit einem Text auf Papier.
Doch nicht nur das. Wir müssen all diese Dinge, Lokation der Information, Navigation der Infrastruktur und Rezeption des Textesauch in einer möglichst relaen Nutzungsumgebung testen. Ein Testing in kontrollierten Testumfeld ist nichtsaussagend, wenn die Zielgruppe mit der App zu komplett verschiedenen Gegebenheiten interagieren muss. Das trifft besonders dann zu, wenn für die Zielgruppe schon kleine Veränderungen an der Nutzungsumgebung große Einflüsse für die Nutzung notwendige Fähigkeiten haben.
Übertragen auf leichte Sprache bedeutet das: Um unsere Texte so gut wie möglich zu validieren müssen wir uns also Gedanken um den gesamten Kontext machen: Wo befinden sich die Lesenden, was passiert um sie herum, was für Informationen bekommen sie noch?
Wir halten fest:
- Leichte Sprache Text sind das Ende einer barrierefreien Journey auf dem Weg zu Informationen
- Der Weg zur Information muss genau so wie die Information selbst barrierefrei gestaltet werden
- Barrierefreiheit muss im realen Kontext, nicht Test-Labor funktionieren und mit der Zielgruppe selbst erprobt werden
Du hast Lust auf einen Austausch zu Barrierefreiheit, leichter Sprache oder sogar ein gemeinsames Projekt im Kopf? Dann meld dich und wir sehen uns für einen (remote) Coffee-Talk!